Stralsund Runners
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11.01.2015:
48. Isergebirgslauf

Thomas Koch hat am ersten Ski-Wettkampf des neuen Jahres teilgenommen. Hier ist sein Bericht:

"In der Nacht zum Samstag, 10.1.2015, klingelt der Wecker 2:30 Uhr. Es geht nach Tschechien ins Isergebirge nach Liberec zum 48. Isergebirgslauf und es soll der Beginn einer tollen Skisaison werden. Bei Regen und 6 Grad erreiche ich gegen 7:00 Uhr Dresden, wo ich das Auto abstelle und in einen Bus von Schulz-Sportreisen umsteige. Nach der Abfahrt um 7:30 Uhr kletterte das Thermometer bis auf 13 Grad. Noch regnete und stürmte es heftig.
Zuerst ging es ins Zentrum von Liberec zur Startnummernausgabe und gegen 11:30 Uhr checkten wir im Hotel ein. Eine Stunde später sollte Abfahrt zum Training nach Bedrichov sein. Wir fuhren bei Sonnenschein zum Startbereich und waren alle sehr gespannt, was uns da erwartet.
Ja und man glaubt es nicht: die Loipe war mit drei Spuren präpariert. Der Schnee war durch die Feuchtigkeit schön verpresst. In der Spur lag ab und zu Geäst, aber das kenne ich vom Vasalauf, das kann der Ski eigentlich ganz gut ab. Da der Schnee bei den Temperaturen weich war, hat man mit dem Ski den Dreck in die Spur gedrückt. Das sieht schon anders aus wenn die Spur eisig ist. Und das könnte morgen der Fall sein. Leider waren nur zwei Stunden Training eingeplant und so schaffte ich 20 km die wirklich richtig schön waren.


Bis zum Abendbrot war dann Waxen angesagt. Wir bekamen einen Raum gestellt und ich habe mich gleich als Erstes an die Arbeit gemacht. Wenig später waren wir rund 10 Leute in dem kleinen Raum. Alle haben ihre Utensilien ausgebreitet und die Bügeleisen qualmten nur so vor sich hin und es wurde schnell unerträglich. Ich habe die volle Zeit genutzt, den Profis über die Schulter geschaut und auch vielen anderen geholfen. Ich habe mir zwei Paar Ski fertig gemacht, weil ja nicht ganz klar war, ob die Temperaturen wirklich unter null gehen. Dann gab es Abendbrot und Bier und nachdem ich alles bereit gelegt habe, bin ich gleich ins Bett. Denn man weiß ja: der Schlaf vor Mitternacht zählt.
Morgens ging dann alles ganz schnell und gegen 7:45 Uhr waren wir auch schon im Zielbereich. Total super ist, dass unser Bus im Start und Zielbereich stehen kann. Wir haben alle nochmal verschiedene Ski getestet und dann bis kurz vor neun im Bus verharrt. Ich war in Startgruppe 5 und damit im Mittelfeld.
Der Start erfolgt in Wellen. Jeder Block steht in einem abgegrenzten Bereich und wird freigelassen, wenn alle aus dem vorherigem Block weg sind. Man geht mit den Skiern in der Hand in das Startfeld und schnallt die Ski erst an, wenn man los läuft.
Ja und was soll ich sagen: bei mir war der erste Sturz schon nach 5 Metern, weil jemand vor mir in der Spur nicht gerade aus fahren konnte. "Na, das geht ja gut los", dachte ich mir. Es ging dann 8km stetig bergan auf rund 1000 hm, wobei zwei eisige Abfahrten sofort für Aufregung sorgten. Da habe ich auch gemerkt, dass Überholen zunächst ziemlich sinnlos ist. Dennoch habe ich mich Stück für Stück nach vorn gearbeitet, meist auf den geraden Strecken. Bergan ging es nicht, weil alle so sehr breitbeinig grätschen, dass man mit den Stöcken des Anderen in den Graben gestoßen worden wäre. Und der war tief und eisig und wässrig.
Es gab eigentlich drei Spuren, die lagen sehr eng nebeneinander. Oft kreuzte ein Drainagegraben den Weg. Es gab viele vereiste Stellen, offensichtlich verursacht vom Loipengerät. Der Waldweg war oft nicht breiter als 2m und da war es dann bergauf und bergab schwierig. Bergab war ich sehr sehr vorsichtig, zumal ich Zeuge eines bitteren Unfalls wurde. Bei einer Abfahrt bemerkte ich wie sich zwei Skifahrer behinderten, weil der hintere zu schnell war. Dieser brachte den vorderen aus der Fassung und der sah wahrscheinlich vor lauter Schreck nicht, was auf ihn zukam. Eine riesige eisige Stelle, die dann doch keine war. Man konnte an dieser Stelle nur rechts auf einer Spur vorbei fahren. Die Wassermassen haben dort offensichtlich unter dem Eis eine riesige Pfütze, oder besser See, gebildet. Der gestrauchelte Skifahrer fuhr da voll rein und versank regelrecht in der eisigen "Pfütze". Ich sah noch, wie er nach Luft japste. Das war bei Kilometer 14. "Oh Mann" dachte ich," dass muss aber kalt sein" und schaute aber sofort wieder nach vorn, damit mir nicht Ähnliches passiert. Die Abfahrten waren echt heftig. So ab Kilometer 30 hatte ich dann bessere Bedingungen, ich war nun in dem Bereich der 2000er Nummern. Ab da wurde es eben und ich konnte meinen hart trainierten Doppelstockschub zur Anwendung bringen. Dabei musste ich ständig die Spur wechseln.
Dann kam einer mit 5000er Nummer von hinten. "Oh Mann" dachte ich, "der hat bei der Startgruppeneinteilung wohl auch die A-Karte gehabt". Zu zweit war es dann wesentlich leichter, sich nach vorn zu arbeiten. In dem Bereich der 1500er Nummern erreichte ich dann nach 3:18 h Platz 1353. Übrigens war bei der Kilometerangabe zwischen 20 und 25 eine Lücke. Ich dachte die ganze Zeit: "oh mein Gott Du hast abgekürzt und bist disqualifiziert". Gleich nach dem Zieleinlauf war ich zwei Minuten später in unserem kuschligen warmen Bus. Und dann hörte ich schon wie man über die verkürzte Strecke diskutierte. Ich fand mich nämlich gar nicht so schlecht und wäre enttäuscht gewesen, wenn die Zeit nicht gelten würde. Es ist schon bitter, wenn man als Erstteilnehmer eines solchen Laufes so weit hinten beim Start platziert wird. Aber so ist das bei den Skimarathons, man muss immer dran bleiben.
15:00 Uhr war Abfahrt des ersten Busses geplant was auch eingehalten wurde. Zu dem Zeitpunkt schneite es dann sogar.


18:00 Uhr war ich dann auch an meinem Auto und vier Stunden später zu Hause.
Nun sag einer, das ist verrückt. Ist es nicht, lediglich Samstag 2:30 Uhr Aufstehen war verrückt, mit einer Tankfüllung kam ich hin und zurück, 99 Euro Reisepreis all inclusive und für 100 Kronen konnte ich reichlich böhmisches Bier trinken. Das hat mir mal wieder bewiesen, dass man die Dinge einfach tun muss, auch wenn man denkt, das Wetter macht einem einen Strich durch die Rechnung. Am Ende ist immer alles besser als man denkt.
"