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08.10.2017:
10. Rails to Trails Marathon, Norwalk Wisconsin

In Chicago wird der große Marathon ausgetragen und man feiert dort mit der 40. Auflage einen kleinen Geburtstag. Heiko, vor einer Woche gerade persönliche Bestzeit in Milwaukee gelaufen, macht mit und reist von Wisconsin nach Illinois. Bolle dagegen läuft im kleinen und beschaulichen Norwalk, ganze 600 Einwohner groß.
Schauen wir wieder kurz auf die US-Karte:

Google markiert Norwalk in Wisconsin

In den Staaten gibt es eine Organisation, die ehemalige Bahnstrecken zu Trails umbaut und diese dann der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt:
rails to trails

In Norwalk findet der "Rails to Trails Marathon" auf dem "Elroy-Sparta bike trail" statt. Bei Wikipedia kann man dazu nachlesen:
The Elroy-Sparta Bike Trail is a 32-mile (51 km) rail trail between Elroy and Sparta, Wisconsin. Considered to be the first rail trail when it opened in 1967, it was designed for foot, bicycle, equestrian and light motorized traffic. Designated a multiuse trail, it offers recreational access to the routes and is open to the public. The trail is part of the larger Wisconsin bike trail system operated by the state of Wisconsin. It is one of four connecting bike trails in west-central Wisconsin that span approximately one-third of the state. It passes through rural scenery and three tunnels.


Norwalk ist ohne Navi schwer zu finden und irgendwie von der Zivilisation abgeschnitten. Datennetz erwartet man vergebens, surfen im Netz ist somit schwierig. Aber das Auto findet den Weg zum Norwalk Community Center, wo am Samstag die Unterlagen ausgegeben werden. Das Wetter ist unter aller S ..., es gießt aus Eimern. Heiko wird später über Chicago Ähnliches berichten ...

Norwalk begrüßt die Läufer

Neben den Unterlagen werden auch Speisen und Getränke ausgegeben, für die Sportler ist dies alles im Preis inbegriffen. Und inzwischen haben wir gelernt, dass Wisconsin Bier-Land ist; wer mag, bekommt hier ebenfalls Pilssuppe.

Jammi jammi: die Läufer dürfen sich überall bedienen

Der Blick auf die Streckenkarte sorgt mehr für Verwirrung als Klarheit; gemeinsam versuchen die Aktiven, sich ein Bild zu machen. Es gibt auf jeden Fall Wendepunkte, aber wie viele? Und in welche Richtung wird zuerst gelaufen? Anhand der Mile-Marker gelingt es dann doch, dem Streckenverlauf zu folgen.

auf der Karte wird der Start / Zielpunkt markiert

Auf der Webseite des Ausrichters werden folgende Infos zur Strecke angeboten:


Der Morgen des Lauftages beginnt mit Blick auf den Grill; im Starterpaket findet sich ein Gutschein für das After-race-chicken-essen. Die Grillmeister beginnen zeitig mit den Vorbereitungen.


Der Lauf soll Punkt 8 starten; noch ist es frisch, doch die Sonne ist schon erkennbar. Gegen die morgendlichen Frosttemperaturen gibt es ein erprobtes Mittel: Feuer!


Wer sich noch nicht angemeldet hat, darf dies auch gerne nachholen. Dazu ist die Ausgabe vom "community center" an die frische Luft verlegt worden.


Ansonsten bleibt etwas Zeit zum wandern im Park. Jeder Ort hätte ja gerne einen Superlativ zu bieten; Norwalk nennt sich selbst "Black Squirrel Capital".
Scheinbar geben sich so einige Orte im Staate Wisconsin selbst Titel, im Internet wird dies so beschrieben:

It’s been said that Wisconsin is home to more self-proclaimed capitals than any other state. Does this mean we’re a delusional bunch of cheese mongers who constantly feel the need to feel special and unique? Nah, I think it just means we’re enthusiastic. So, until proven otherwise, here are five “capitals” found right here in Wisconsin:
1. Mount Horeb, aka “Troll Capital of the World”
2. Muscoda, aka “Wisconsin’s Morel Capital”
3. Norwalk, aka “Black Squirrel Capital of the World”
4. Green Bay, aka “Toilet Paper Capital of the World”
5. Belleville and Elmwood, aka “UFO Capital(s) of the World”



Zu Norwalk wird weiter berichtet:

Although it’s a small village, Norwalk proudly boasts this claim on its website for all to see. While their confidence is admirable, the competition for black squirrel recognition is both heated and intense. Take for instance Marsville, KS, who has the black squirrel as their mascot, and what about London, Ontario, who produced their own music video dedicated to the little fella? Norwalk needs to up the ante.

Wenige Minuten vor dem Start werden die Marathonläufer zur Aufstellung gebeten. Einige Frühstarter, dies sind meist Walker, sind bereits auf der Strecke.


Zur Laufstrecke gibt es nicht viel zu berichten; es ist halt ein Trail, der auf einer ehemaligen Bahnstrecke entlang führt. Wanderer, Radler und Läufer teilen sich den Weg, gelegentlich sind Straßen zu queren. Die Läufer haben den ersten Wendepunkt nach ca. 1,5Meilen erreicht, laufen zum Startbereich zurück und dann weiter bis ca.14,5 Meilen, wo der nächte Wendepunkt eingerichtet ist.
Das Highlight ist definitiv der Tunnel, der über ca. 500m durch ein Bergmassiv führt. Es wurde ausdrücklich erwähnt, dass man keine Lampen mitbringen muss, der Weg sei durch Laternen ausgeleuchtet. Und so ist es: der Tunnel ist dunkel und nass, an den Wänden läuft das Wasser runter und von der Decke "regnet" es. An beiden Seiten des Tunnels schlängeln sich Rinnsale bergab. Ohne die Laternen wäre es stockdunkel, doch die farbigen Laternen machen das Durchlaufen zu einem interessanten Ereignis.

So sieht der Eingang zum Bahntunnel aus

Normalerweise findet der "Rails to Trails Marathon" am ersten Novemberwochenende statt, doch in diesem Jahr musste der Lauf vorverlegt werden. Ursache: im Tunnel machen es sich Fledermäuse zum Winterschlaf gemütlich, und in diesem Jahr eben sehr früh. Die Behörden haben die Schließung des Tunnels für die kommenden Tage angeordnet, um die Tiere zu schützen. Und dann wäre der Lauf nicht mehr auf der tradionellen Strecke umsetzbar.

Das Tunnelinnere (das Foto stammt aber nicht vom Lauftag)

Bolle meldet, dass er die erste Hälfte des Marathon relativ flott absolviert hat, bevor er dann zum gemütlichen Teil übergeht. Dies bedeutet: 10 Minuten Mittagsruhe gegen 11.30Uhr. Die Sonne steht am Himmel und es ist warm. Doch Bolle legt sich nicht weit genug abseits von der Laufstrecke ins Gras, er wird von anderen Sportlern gesehen und ständig gefragt, ob es ihm gut geht. Die Fürsorge ist natürlich prinzipiell gut, doch bei der freiwilligen Mittagspause unerwünscht.
Also macht sich Bolle wieder auf den Weg und genehmigt sich an den letzten beiden Verpflegungsstationen jeweils ein Bier. Die alkoholischen Getränke werden nicht direkt sichtbar platziert, aber auf Nachfrage öffnen die Helfer ihre privaten Schatullen. Auch hier wird darauf hingewiesen, dass man schließlich in Wisconsin sei und Bier allerorten verfügbar. Die guten Helfer .... ein Dank an Euch!
Die Tunnelpassage auf dem Rückweg geht der Dicke komplett, hier heißt es: genießen!
Dann geht es auf die letzten Meilen. Als das 26Meilen -Schild erreicht ist, kann man den Park und somit auch das Ziel bereits sehen.

Das wirklich letzte Schild der Laufstrecke

Im Zielbereich gibt es Medaille, Getränke und chicken. Bier steht natürlich auch zur Verfügung. Einige Leute haben sich als “Black Squirrel” verkleidet.


2 Ausländer waren auf der Strecke: Hajime Nishi aus Japan und Bolle aus Deutschland. Den kleinen Japaner hat Bolle früher auch schon getroffen: 2004 beim "Death Valley Marathon" und dann auch beim Usedom-Marathon in unserer Heimat. Hier erfährt der Japaner eine besondere Ehrung auf der Webseite des Veranstalters:


Für die Finisher gibt es folgendes Paket: Shirt bereits bei der Ausgabe, Medaille nach Zieleinlauf.


72 Marathon-Finisher werden in den Ergebnislisten geführt, beim Halbmarathon immerhin 237.


Die online-Ergebnisse findet man hier": Rails to Trails Marathon Norwalk