Stralsund Runners
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01.09.2019:
Hölle von Q

Irgendwann am Anfang des Jahres ist dem dicken Bolle bei einem Marathonlauf der Flyer der Hölle von Q aufgefallen. Der Name war es, der das Interesse weckte. Der Flyer wurde mitgenommen, später gelesen und dann wurde im Netz weiter zum Thema recherchiert. Die Anmeldung war schnell erledigt, der Termin noch in weiter Ferne.


Das Besondere der Hölle ist die Kombination 3er Austragungsorte mit einem höchst anspruchsvollen Profil der Radstrecke. Schließlich befinden wir uns im Harz, der einige kräftige Anstiege zu bieten hat. Nutzen wir die auf der Webseite des Ausrichters angegebenen Daten und Fakten, um die Veranstaltung zu beschreiben:


Man bewegt sich also in der Gegend um Ditfurt, Thale und Quedlinburg. In Ditfurt treffen sich alle Aktiven, hier erfolgt die Ausgabe der Startunterlagen, hier wird auch der Schwimmwettbewerb ausgetragen und die Wechselzone 1 eingerichtet. Per Rad geht es nach Thale, den fetten Berg hinauf und danach zur Wechselzone 2. In Laufklamotten muss man dann den Weg nach Quedlinburg bewältigen. Schauen wir kurz auf die Karte:

google hilft bei der Einordnung der Orte

Bolle reist vom Stralsund-Triathlon an, wo er in der Runners-Staffel mit Schorni und A. Roth den Schwimmpart übernommen hat. Die Anmeldung in Ditfurt und der Check-in für die Einzeldisziplinen muss der Ausschreibung zufolge bis 18Uhr erfolgen. In Ott's Garten erhalten die Teilnehmer die Startunterlagen und, wer denn Bedarf hat, die Tageslizenz für den Wettkampftag. Immerhin handelt es sich auch um die Mitteldeutsche Meisterschaft über die Mitteldistanz, also eine hoch offizielle Angelegenheit. Freizeitsportler dürften hier in der Minderheit sein.
Wer seine Unterlagen hat, muss sich 2 Klappboxen für die Klamotten der Wechselzonen schnappen. Hier kommt es zu Problemen, da es schlicht keine Klappboxen mehr gibt. Von den Helfern heißt es immer nur "die kommen gleich", so geht es fast eine Stunde lang. Als die Boxen dann eintreffen, muss alles schnell gehen. Rad schmücken, Boxen füllen, check-in. Um Punkt 18Uhr soll auch die Einweisung erfolgen, die für alle Teilnehmer verpflichtend ist. Man sammelt sich um den Sprecher, der ohne Hilfsmittel zum Publikum spricht. Daher kann man nicht alles verstehen. Doch es geht im Wesentlichen um den morgigen Ablauf, die Strecken und die gefährlichen Passagen der Radstrecke.

Wettkampfbesprechung

Wer mag, kann die Schwimmstrecke in Augenschein nehmen. Doch was gibt es da schon zu sehen? See, Bojen ...

Wasserseite an Ott's Garten

Unmittelbar in Seenähe darf gecampt werden, hier schlägt auch Bolle das Zelt auf. So ist man morgens direkt im Startbereich.
Die Radwechselzone hat man von hier direkt im Blick.

Zeltplatz direkt an der Wechselzone

Am Sonntag wird früh aufgestanden, so gegen 5. Denn um 6.35Uhr gehen die Einzelstarter ins Wasser, 15 Minuten später folgen die Staffeln.
Hier ein paar Infos zu den Strecken:

Die Strecken führen durch das Harzer Vorland und den Ostharz. Durch einzigartige Natur und Kultur. Hier das NSG Teufelsmauer. Es gibt 2 Wechselzonen und einen Zielort. Das klingt sehr aufwendig, die Teilnehmer werden aber möglichst wenig davon merken - und dafür tolle Strecken bei allen Disziplinen haben.

Die Schwimmstrecke: schön
Es wird eine Runde von 2,0 km im weitgehend von Bäumen umgebenen Kiessee Ditfurt geschwommen. Der See ist in der Regel angenehm kühl. Ein Neopren ist meist zu empfehlen. Für den Wettkampf entscheidet wie üblich das Schiedsgericht über die Neo-Freigabe.
Höhenmeter: keine


Schwimmstrecke und die Lage von Startpunkt (Landstart) und Ausstieg / Wechselzone


Die Radstrecke: schön. Und anspruchsvoll.
Hier warten ca. 1.460 Höhenmeter. Zunächst geht es noch recht flach dem Harz entgegen. Dann folgen kräftige Anstiege und flotte Abfahrten. Die Strecke Thale/Hexentanzplatz/Friedrichsbrunn/Hexenanzplatz/Thale wird 2 x gefahren. Das wird ein Hexentanz. Um jeden Platz. Im wahrsten Sinne.

Besonders aufgepasst werden muss bei der Abfahrt von der Roßtrappe nach Thale - hier ist teils schlechter Straßenbelag. Der Belag der ebenfalls steilen Abfahrt von Friedrichsbrunn vorbei am Hexentanzplatz nach Thale ist besser. Beide kurvigen Bereiche sind für den Autoverkehr gesperrt.

Die Karte zeigt die Radstrecke von 2018 mit der aktualisierten Wendeschleife in Thale

interessantes Höhenprofil

Die 2018 erstmals genutzte Wendeschleife in Thale ist technisch anspruchsvoll - aber dank besserer Straßen sicherer als die von 2017. Ihr werdet hier aus der steilen Abfahrt heraus zunächst nach links, dann rechts und dann wieder links abgeleitet, bis zu dem Punkt, wo ihr über Reisverschluss mit dem Verlauf der ersten Runde zusammengeführt werdet.

Wenn ihr 2 (in Worten: zwei) Runden nach Friedrichsbrunn geschafft habt: geradeausfahren! Niemand will dreimal den Berg hoch.


Die Laufstrecke: schön. Und besonders.
Triathleten kennen das Gefühl, manchmal wie vor eine Wand zu laufen. Hier wartet die Teufelsmauer. Und ein Zieleinlauf durch die Hölle. Ebenfalls im wahrsten Sinne.
Höhenmeter: ca. 160. In kurzen, aber knackigen Anstiegen.

Die Laufstrecke



Nun ein paar Worte aus der Sicht des Sportlers:
Die Schwimmstrecke war relativ schnell absolviert, es waren lange Geraden zu schwimmen. Neo war erlaubt, muss man aber aufgrund der Temperaturen nicht nutzen. Schnelle Staffelschwimmer kamen irgendwann von hinten angekrault...
Raus aus dem Wasser, in Ruhe umziehen, ab auf die Strassen. Die angesprochene Abfahrt nach Thale ist wirklich grottig; besser nicht zu schnell werden, es gibt auch enge Kurven. Doch richtig fett wird es am Berg von Thale nach Friedrichsbrunn: gerade die ersten 4 bis 5km des insgesamt 10 Kilometer langen Anstieges sind sehr steil. Das ist nix für den untrainierten Küstenbewohner. Im kleinsten Gang geht es auch mal mit 8km/h hinauf zur Spitze. Der Schweiß läuft in Strömen, die Muskeln brennen. Oben, in Friedrichsbrunn, wird eine kleine Schleife gefahren, hier gibt es auch Verpflegung. Dann geht es denselben Berg wieder runter nach Thale. Wer es eilig hat, tritt in die Pedale. Wer sich etwas ausruhen möchte, lässt rollen. Kleine Runde durch Thale, dann geht es den Berg ein zweites Mal hinauf. Nun, da man mit der Strecke vertraut ist, geht es scheinbar einfacher. Wer den Berg erfolgreich bezwungen und erneut runter gerollt ist, darf zur Wechselzone 2 radeln. Rad abstellen, Laufklamotten an, noch einen Halbmarathon absolvieren. An der Strecke reichen freundliche Menschen Sekt und Bier, so mögen wir das! Besonderes Highlight ist die Teufelsmauer, hier möchte man eigentlich verweilen.

Die Teufelsmauer - was für ein Anblick

Irgendwann erreicht man Quedlinburg, muß noch mal den Schlossberg hinauf. Doch das Ziel ist nah, nun fühlt man sich bereits als Sieger. Man läuft durch die "Hölle", eine kurze Gasse in Marktnähe.

Innenstadt von Quedlinburg - Hölle

Noch ein paar weitere Gassen sind zu durchqueren, dann hört und sieht man den Zielbereich. Mitten auf dem Marktplatz, vor dem Rathaus von Quedlinburg, beendet man den Triathlon.

Zielbereich auf dem Markt - gelbe Shirts, gelbe Handtücher

Unmittelbar nach dem Finish bekommt man ein gelbes Handtuch mit Quedlinburg-Text darauf umgehängt. Was der norddeutsche Durchschnitts-Schwimmer nun wirklich nicht braucht, ist ein gelbes Handtuch. Davon haben die Sundschwimmer genug im Schrank. Medaillen gibt es nicht??? Bolle fragt einen anderen Sportler, der verweist auf das Handtuch. Mehr kann dieser Kollege auch nicht zum Thema beisteuern. Geht man nach dieser Schinderei wirklich mit einem gelben Handtuch nach Hause?

In einem Hof am Markt befindet sich der "Athlet's Garden", hier kann man sich ausruhen und mit Energie versorgen. Die Wechselklamotten sind hier ebenfalls gelagert. Bolle kommt ins Gespräch mit den Teilnehmern der Staffel 241, die aus der Gegend stammen und über Quedlinburg dozieren können. Diese Kollegen erwähnen, dass es ein Blechschild mit "Hölle"-Aufdruck als Medaille gibt. Das Schild wäre bei den Unterlagen gewesen. Bolle ist skeptisch - natürlich hat er die Unterlagen durchgesehen, es war kein Blech dabei. Außerdem: gibt es den Lohn für die Mühe bereits vor der Mühe?!? Wohl kaum!!! Da muss noch mal recherchiert werden.

das ist das 241er Staffel-Team - freundliche Mitbürger

Außerdem bietet einer der Staffelteilnehmer an, den Dicken mit nach Ditfurt zu nehmen, wo noch das Zelt und Gepäck lagern. Das nämlich ist der Nachteil einer Triathlonveranstaltung mit mehreren Orten: überall sind nun Klamotten abzuholen. Und das ist reine Privatsache. Dank also an die Kollegen der 241er Staffel. Auf dem Weg zur Fahrgelegenheit gibt es noch eine kurze Stadtführung mit interessanten Infos: Quedlinburg war nämlich Hansestadt und ist ebenso wie Stralsund UNESCO - Welterbe. Auf der Webseite der Stadt steht:

Mit einem historisch bebauten Stadtkern, der sich über mehr als 80 ha erstreckt, gehört Quedlinburg zu den größten Flächendenkmalen in Deutschland.

Sein geschlossener mittelalterlicher Stadtgrundriss und sein riesiger Bestand an Fachwerkhäusern dokumentieren mehr als sechs Jahrhunderte Fachwerkbau in einer einzigartigen Qualität und Quantität. Bauten aus allen Stil- und Zeitepochen machen Quedlinburg zu einem Musterbeispiel der Entwicklung des Fachwerkbaus schlechthin.

Die Stiftskirche St. Servatius mit ihrem berühmten Domschatz, die tausendjährige Wipertikirche und die Reste des Marienklosters auf dem Münzenberg erinnern an die Priorität, die dieser Ort für die ottonischen Herrscher des 10. Jahrhunderts besaß. Mit der Königswahl des Sachsenherzogs Heinrich im Jahre 919 wurden die Grundlagen für das Entstehen des ersten deutschen Staates gelegt. In seiner Lieblingspfalz auf dem Quedlinburger Schlossberg wurde er 936 begraben. Das im gleichen Jahr von seiner Witwe Mathilde gegründete reichsunmittelbare Frauenstift entwickelte sich zu einer hochrangigen politischen und kulturellen Metropole des Reiches. Als Osterpfalz der ottonischen Kaiser, als Ort bedeutender Hoftage und Synoden stand Quedlinburg für mehr als 100 Jahre im Mittelpunkt des Geschehens.

Am 17. Dezember 1994 wurde Quedlinburg, über 80 Hektar historische Innenstadt mit Stiftsberg, Münzenberg und Wiperti, zum universellen Erbe der Menschheit erklärt. Der außergewöhnliche Wert Quedlinburgs beruht auf seiner Bedeutung für die Stadtbaugeschichte und die deutsche Geschichte. Der mittelalterlicher Stadtgrundriss, viele und der große Anteil mittelalterlichen Bebauung, sind bis heute authentisch erhalten. Von der UNESCO wurde der einzigartige Bestand mit über 2000 Fachwerkbauten aus mehreren Jahrhunderten gewürdigt.

Man sollte Quedlinburg wirklich mal für mehr als einen Tag besuchen!

Vorbildlich wird sich bei den Hexen verabschiedet:

Hex Hex

Gepäck einsammeln, Rad auschecken - nun ist die Hölle wirklich vorbei. Aber ihr wißt ja:





Die Ergebnisse der Hölle finden sich hier: Hölle Hölle Hölle.

Kann man die "Hölle" empfehlen???
Ja, kann man. Die "Hölle" ist eine wirklich bemerkenswerte Veranstaltung, man sollte vorbereitet und trainiert sein. Für unsere "Stralsund Runners" gilt die Empfehlung daher nur bedingt. Die Radstrecke ist einfach zu anspruchsvoll. Der Pinsel sollte das SOLO machen, und wir, die "Basic Runners", mal als Staffel. Denn die Meinung der anderen Runners würde den dicken Bolle wirklich interessieren.
Vorschlag für 2020: der Pinsel startet solo, dazu folgende Staffel: Bolle schwimmt, MEINI radelt, meini läuft.


Nachtrag, 15.09.2019:
Bolle hat wegen der fehlenden Belohnung beim Ausrichter der "Hölle" nachgefragt und erfahren, dass man auf dem Marktplatz hätte was erhalten sollen. Die beiden Hexen, die oben auch im Foto festgehalten wurden, hätten den Ankömmlingen etwas überreichen sollen. Hmmm, das ist wohl nicht passiert. Aber Mark hilft und schickt eine Postsendung in den Norden. Nun hängt das Blech an der Wand: